Der Walpurgisabend

 

Christian Gottlob Wild, er war der erste bedeutende Mundartdichter des Erzgebirges.

Er wurde am 25. Dezember 1785 in Johanngeorgenstadt geboren. Er war Pfarrer in Carlsfeld und danach in Breitenbrunn, wo er am 24. März 1839 verstarb.

1809 gab er sein erstes Heimatbuch „Interessante Wanderungen durch das Sächsische Obererzgebirge“ heraus. In seinem Buch erinnert er an manchen, auch schon vergessenen Brauch. Drei dieser Bräuche, oder auch Gebräuche, seien hier vorgestellt.

Das Osterficken

Am ersten Osterfeiertag früh, an einigen Orten am dritten Feiertage Nachmittags, ist es gebräuchlich, dass Bekannte sich aufsuchen und mit Gerten von Birkenreisern oder Wacholder peitschen, welches man ficken nennt. Oft im Bette wird man von solchen Zuspruch überrascht und an den Händen oder Füßen ausgefickt. So sieht man die fröhlichen Leute im größten Negligee oft einander auf den Gassen verfolgen. Das weibliche Geschlecht fällt in starker Anzahl oft über eine einzelne Mannsperson her und dann wehe dieser; ungeachtet seiner natürlichen Sanftheit verfährt es hier dennoch ohne Schonung. Es ist ein sehr lustiger Krieg, welchen man führt. Auch dieser Gebrauch ist sehr alt und war sonst allgemeiner.

 

Der Walpurgisabend

Jener, und wie man hoffen darf, ziemlich verschwundene Glaube an Hexen und ihrer Macht, hat auch im oberen Erzgebirge einen Gebrauch hinterlassen, welchen man fast an allen Orten desselben antrifft. Am Abend vor dem 1. Mai nämlich, also am Walpurgisabend hört man in den Gegenden umher ein immerwährendes Schießen, bisweilen auch Böllern, wodurch man sonst die in der Luft reitenden Hexen erschießen wollte. Jetzt sollte nun vielmehr dieses Schießen als ein Zeichen des besiegten Aberglaubens angesehen werden, also ein Victoriaschießen nach dem Kampfe mit Irrwahn und Vorurteil.

Auf den Bergen versammeln sich die Jungen, welche alte Besen anbrennen, sie dann oft herum schwingen und endlich hoch in die Luft schleudern, welches bei dem Dunkel der Nacht ein hübsches Schauspiel abgibt. Dabei wird übrigens gejubelt und geschrien, wie es die rohe Jugend immer zu tun pflegt.

Man belächle diesen alten Gebrauch der Erzgebirger nicht; nicht aus Aberglauben üben sie denselben, ich versichere vielmehr, dass dort die Bergleute in vielen Dingen weit aufgeklärter und belehrter sind, als der niederländische Bauer. So z.B. ist der Glaube an den Berggeist oder Kobel ziemlich verschwunden.

 

Der Pfingstlümmel oder Pfingstochse

Am ersten Pfingstfeiertag sorgt jedes Glied in einer Familie, dass es nicht zuletzt im Bette angetroffen werde; ist dieses der Fall, so wird man ausgelacht, verspottet und Pfingstlümmel genannt. Den ganzen Tag über, wohin man geht hört man sich so nennen und wird ausgelacht. Das ist nun die größte Lust, wenn mehrer Pfingstlümmel zusammen kommen und sich selbst übereinander lustig machen. Auch auf den Zechen, tags vorher ist dies der Fall, und so bei vielen Professionen und Ständen, auch sogar die Hirten beobachten diesen Gebrauch, wer der erste ist, klatscht ein Konzert mit der Peitsche.

 
Wildbach, März 2018 - Jürgen Hüller